In den letzten Tagen haben wir öfter die Frage bekommen, wie man eine Nachbarschaftshilfe in seinem eigenen Ort starten kann. Das hier ist keine Anleitung, es ist der Prozess, bei dem diese Nachbarschaftshilfe aufgebaut wurde, erst von mir alleine, dann mit einem kleinen Team.

Umfang festlegen

Vor dem starten einer Nachbarschaftshilfe sollte man festlegen, wie viel man leisten kann. Eine private Initiative ins Leben zu rufen, ist toll, doch sollte das nicht dazu führen, dass man am Ende Tag und Nacht arbeitet.
Lege also fest, in welchen Zeiten du dich um die Nachbarschaftshilfe kümmerst und wer helfen kann. Erweitere später das Team, wenn nötig. Bestimme auch, auf welchen Wegen die Nachbarschaftshilfe erreichbar sein soll. Mögliche Wege können diese sein: E-Mail, Facebook, Instagram, nebenan.de, Telefon, Telegram, …

Freiwillige erfassen

Wie sollen Freiwillige mit Hilfebenötigenden zusammengebracht werden? Finden sie sich in einer WhatsApp-/Telegram-/Facebook-Gruppe?
Soll deine Nachbarschaftshilfe sie als Vermittlerstelle zusammenbringen, so wie bei uns? Dann brauchst du eine Möglichkeit, alle zu erfassen, die Hilfe anbieten, um für alle, die Hilfe brauchen, die richtige Person vermitteln zu können und einen Überblick über die Vermittlungen zu haben. Wenn du mit mehreren Menschen zusammenarbeitest, benötigt ihr idealerweise ein System, auf das ihr gleichzeitig arbeiten und bei dem ihr die Änderungen der anderen sehen könnt.

Website und Social Media

Zuerst habe ich eine einfache Gratis-Website mit WordPress erstellt, es gibt jedoch auch andere Anbieter, bei denen umsonst und ohne großes technisches Wissen eine Website erstellt werden kann. Auf der Website habe ich erklärt, wie man bei uns helfen kann und wie man Hilfe erhält.

Außerdem habe ich eine Facebook- und eine Instagram-Seite erstellt, auf denen ich regelmäßig poste. Auf beiden Accounts habe ich die Website verlinkt und bei Instagram die Mail-Adresse hinterlegt.

Vernetzen

Über Instagram bin ich auf Cafés in der Nähe, Stadt-Magazine und lokale Blogs zugegangen, habe mit ihnen geschrieben und ihre Beiträge in der Story der Nachbarschaftshilfe gepostet, wenn ich den Eindruck hatte, sie könnten für die Follower relevant sein.

Im Gegenzug wurde unsere Seite von Accounts mit vielen Followern verbreitet und wir hatten recht schnell viele Follower, die uns unterstützt haben.

Die Idee verbreiten, die richtigen Menschen erreichen

Wir haben von Anfang an Downloads auf unserer Website bereitgestellt, zum einen solche, mit denen die Menschen in ihrem eigenen Hausflur Hilfe anbieten können und zum anderen solche, mit denen auf unsere Nachbarschaftshilfe aufmerksam gemacht wird. Viele Freiwillige haben ganz unaufgefordert unsere PDFs ausgedruckt und in ihren Vierteln, Supermärkten und Ärzten ausgelegt und -gehängt.

Für kleinere Nachbarschaftshilfen kann das schon ein sehr guter Weg sein, sein Angebot zu verbreiten.

Da unser Angebot für ganz Stuttgart gilt, haben wir uns zum einen gezielt an die Träger von Einrichtungen für betreutes Wohnen gewandt und zum anderen die Aufmerksamkeit der einen oder anderen Pressestelle auf uns gezogen.

Erklären, wie Hilfe angefordert werden kann

Wir haben auf unserer Seite die Wege zusammengetragen, auf denen man uns um Hilfe bitten kann. Nicht jede Nachbarschaftshilfe muss alles oder genau diese Möglichkeiten anbieten, ich habe jedoch festgestellt, dass viele Menschen, die Hilfe anfordern, sehr froh sind, dass sie uns telefonisch erreichen können. Ich habe dafür ein separates Handy mit Prepaid-Vertrag geholt, um nicht meine private Nummer anzugeben.

Fazit

Freiwillige können sehr gut über soziale Netzwerke erreicht werden. Menschen, die Hilfe benötigen könnten, sind nicht nur über ein Medium erreichbar. Es kann sich um junge Menschen mit Vorerkrankungen handeln, doch auch um ältere Menschen ohne Zugang zum Internet oder ohne E-Mail-Adresse und Social Media Account. Daher müssen diverse Kommunikationswege gewählt werden, um die Nachbarschaftshilfe zu verbreiten. Dazu gehören digitale Kommunikationswege wie auch lineare, beispielsweise über Lokalzeitungen, Aushänge (Hausflur, Supermarkt, Bäcker, Arzt, …) und Mund-zu-Mund-Werbung im Bekannten-, Freundes- und Familienkreis.
Außerdem sollte man mehrere Kontaktmöglichkeiten anbieten, damit viele verschiedene Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen die Nachbarschaftshilfe erreichen können.

Wie man Hilfe anbieten oder anfordern kann, sollte ganz klar auf der Website und allen sonstigen Kanälen erklärt werden.


Teilt gerne eure Erfahrungen beim starten einer Nachbarschaftshilfe in den Kommentaren!

 

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